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Aus dem Inhalt von Heft 1 des 8. Jahrgangs (2002) 
  • Editorial 
  • Aus der Arbeit der Israel Interfaith Association 
  •    Zur Lage 

  • Vom Wort zum Schwert - Ende des Gesprächs der Religionen?
    Siehe Aktivitäten 2001

     In eigener Sache
     Der Israel Interfaith Kalender 2002
     Ein Brief eines arabischen Partners in Beit Jala

    Thema: Die Heiligen Stätten und der Islam

     Wir müssen neue Wege suche
     Aufruf zum Dialog zwischen dem Staat Israel und der islamischen Welt anlässlich von Id al-Fitr
     Von Eljakim Rubinstein, Höchster Rechtsberater der Regierung
     
    Jenseits der Souveränität im "Heiligen Bezirk"
     Yair Sheleg

    Die Bedeutung von Al-Quds (Jerusalems) im Islam
     Von Adi Adawy, Wei^se Moschee Nazareth
     
     
     
     
     
     

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Zu diesem Heft

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Editorial 

An der Wende zu einem Neuen Jahr gibt es im Nahen Osten wenig Hoffnung auf eine Veränderung zum Frieden. Der Friedensprozess ist längst in einer Sackgasse. Schlimm ist, dass die Religion in dieser Auseinandersetzung eine noch größere Rolle spielt als in der Vergangenheit. Das Problem sind vor allem die palästinensischen Selbstmörder, gegen die kein Kraut gewachsen ist. Die Israelis fordern ein stärkeres Eingreifen der palästinensischen Führung gegen die Terrorgruppen. Leider hat der von den Palästinensern eingesetzte Mufti von Jerusalem, Sheikh Akrame Sabri, die höchste moslemische Autorität im palästinensischen Raum, im Gegensatz zu seinen Kollegen in Ägypten und Saudiarabien die Terroristen noch ermuntert. Statt Ihren "heiligen Kampf" zu behindern solle die palästinensische Führung sie unterstützen und fördern, ließ er in einem jüngsten Interview, das in der führenden palästinensischen Zeitung Al Hajat abgedruckt wurde, verlauten.  
 Dass der Terror und die Gewalt nun auch über die Grenzen Israels hinausgeschwappt sind, dazu in einer noch schlimmeren und entstellteren Fratze, am 11. September in den vereinigten Staaten, und jetzt die ganze Welt bedroht, ist kein Trost für die seit Jahrzehnten leidgeprüften Menschen in Israel und Palästina. 
 All das beeinträchtigt oder bestimmt auch die interreligiöse Zusammenarbeit. In einer Veranstaltung im Dezember haben wir das geradezu zum Thema gemacht. Hat der Interreligiöse Dia- oder Trialog versagt? Auf der anderen Seite ist die alleinige Existenz einer Gruppe wie die der Israel Interfaith Association ein Zeichen der Hoffnung. Noch sprechen Menschen der feindlichen Lager und der verschiedenen Religionen miteinander. Wenn die Verbitterung auch groß ist, so gibt es doch noch eine Hoffnung. 
 Als kennzeichnend für die Situation veröffentlichen wir hier einen Brief des lutherischen Pfarrers Shehade, ein bekannter Mann des Friedens und Ausgleichs, von dem wir schon früher ein Interview gebracht hatten. Wir hatten vor, diesen Brief zusammen mit einer theologischen Abhandlung von ihm über Israel und das Judentum zu bringen, die schon etwas zurückliegt. Pfarrer Shehade wollte das aber nicht in der gegenwärtigen Situation, so bleibt nur sein Brief, der die Verzweiflung großer Teile der arabisch-christlichen Bevölkerung widergibt, die bisher an ein Zusammenleben mit Israel und den Juden geglaubt hat. Wir von der Israel Interfaith Association werden weiter versuchen, die Kontakte nach drüben aufrecht zu erhalten. 
 "In eigener Sache" ist vom innerem Unfrieden in unserer Organisation die Rede, der die Arbeit besonders in dieser schwierigen Zeit an den Rand der Existenzbedrohung geführt hat. 
 Im thematischen Teil geht es um die Ursachen des gegenwärtigen Konflikts. Den Anfang macht ein Artikel, der jüngst in der führenden Zeitung des Landes, Haaretz, erschien und von einem orthodoxen Juden geschrieben ist, dem Rechtsberater des Staates, was dem Ganzen noch sehr viel mehr Gewicht verleiht, der die Moslems zu ihrem Fest Id el Fitr beglückwünscht und zu einem echten Versuch eines Dialogs mit dem Islam aufruft, der nach seiner Meinung bisher noch gar nicht ernsthaft versucht wurde. 
 Als äußerer Grund der jetzt 1 1/4 Jahre alten Intifada, der Al Aksa-Intifada, diente der Besuch des jetzigen Ministerpräsidenten, Ariel Sharon, auf dem Tempelplatz und das Scheitern zuvor der Gespräche über die Zukunft der Heiligen Stätten. Im Kriegslärm scheint das fast vergessen zu sein. Aber, wenn es wieder zu Verhandlungen kommt, werden sie genau hier einzusetzen haben. Aus diesem Grund machen zwei Artikel völlig unterschiedlicher Art dieses zum Thema. Einmal ein Artikel aus Haaretz über Versuche einer Lösung des Problems und zum Schluss ein Vortrag auf dem Nazareth Seminars (Vgl. Heft 2001-2) des Imans der Weißen Moschee, der gerade in seiner Naivität den generellen Standpunkt des Islam zur Jerusalem Frage deutlich macht. 
 Mit allen guten Wünschen zu einem Neuen Jahr, dass trotz aller schwarzen Wolken am Himmel einen Lichtblick geben möge auf eine Zeit der Versöhnung und Verständigung, zu der die Religionen so viel beizutragen haben.  

 Jerusalem, im Dezember 2001                                   Joseph Emmanuel und Michael Krupp
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    Wir müssen neue Wege suchen
 
Aufruf zum Dialog zwischen dem Staat Israel und der islamischen Welt anlässlich von Id al-Fitr
 Von Eljakim Rubinstein, Höchster Rechtsberater der Regierung
 
 Schon seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass der Dialog mit dem Islam eine der dringendsten Herausforderungen ist, vor denen Israel steht. Es mag sein, dass wir in dieser Richtung schon vor Jahren größere Anstrengungen hätten unternehmen sollen. Das ist nicht geschehen, und es gab dafür offensichtlich Gründe, die zum einen vielleicht mit der totalen Skepsis gegenüber einem Dialog mit dem fundamentalistischen Islam zusammenhängen, zum anderen mit dem schweren Kampf gegen im Namen des Islam verübte Gewalt und Blutvergießen, an erster Stelle dem Terror der Selbstmordattentäter. Davon unabhängig sieht sich Israel mit höchst problematischen Trends vonseiten extremer islamischer Gruppen auch im israelisch-arabischen Sektor konfrontiert, die moralische Überlegungen fordern aber ein Umdenken. 
 Trotz allem dürfen wir  eine grundlegende Tatsache nicht vergessen, und zwar die Existenz der großen moslemischen Welt, zu deren Nachbarn die Geschichte uns gemacht hat. Die islamische Geschichte trägt was die Beziehungen zu den Juden betrifft keineswegs einen einheitlichen Zug. Tatsächlich hatten die Juden, die im Schatten des Islam lebten und dort eine faires Asyl fanden, wie im osmanischen Reich nach der Vertreibung aus Spanien, einen geschützten Status. Dementsprechend verhielt man sich ihnen gegenüber relativ tolerant. Dasselbe gilt für die Beziehung im Lande Israel selbst, in Jerusalem, für die die Dokumente des islamischen Gerichtshofs in der osmanischen Zeit eine gerechte Behandlung der Juden belegen. Natürlich machen der Aufstieg des extremen Islam und sein Einfluss auf den gemäßigten Islam und ernste Phänomene wie Selbstmordattentate im Namen des Himmels die Situation nicht leichter. In meinen Augen stellt das Phänomen des Selbstmords eine Entstellung des Islam dar, einer Religion, die viele humane Elemente und eine reiche Kultur aufweist.  
 Es steht also die Frage zur Debatte, ob es eine Chance für einen Dialog mit islamischen Kräften gibt, der auf Toleranz und einem gemeinsamen Interesse an Frieden und positiver Entwicklung gründet. Ich bin dessen nicht sicher, aber es ist unsere Pflicht, es zu versuchen. Eine solche Entwicklung würde in der islamischen und und arabischen Welt auf Interesse stoßen und natürlich auch in der Weltgemeinschaft. 
 Es ist daran zu erinnern, dass das Friedensabkommen zwischen Israel und Jordanien von 1994 einen Abschnitt enthält, der im Anschluss an Gespräche zwischen Prinz Hassan und dem Verfasser dieses Artikels formuliert wurde, den Segen von König Hussein und Premierminister Jizchak Rabin bekam und später von der Knesset und dem jordanischen Parlament ratifiziert wurde. Der Artikel (9.3) lautet folgendermaßen: "Die beiden Seiten wollen gemeinsam dazu beitragen, die interreligiösen Beziehungen zwischen den drei monotheistischen Religionen voranzutreiben, mit dem Ziel, gemeinsam für religiöses Verständnis, moralische Verpflichtung, freie Religionsausübung, Toleranz und Frieden zu arbeiten." Dieser Artikel wurde, aus unterschiedlichen Gründen, die die Zeit mit sich gebracht hat, nicht in die Tat umgesetzt, aber die klare Botschaft stellt ein politisches, ethisches und religiöses Ideal dar. In den Beziehungen zwischen Juden und Christen zeichnet sich bereits ein nicht unerheblicher Fortschritt in dieser Richtung ab. Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund, was den Islam betrifft, zu verzweifeln.  
 Ein Teil der Verhandlungen von Camp David im Sommer 2000 kreiste um Jerusalem und den Tempelberg, und es gab das Gefühl während der Gespräche, dass die Palästinenser die Verbundenheit Israels zum Tempelberg in keiner Weise anerkennen, ein Gefühl das auch Präsident Clinton aufgrund seiner Bibelkenntnisse erstaunte. Dies stellt meines Erachtens ein Gebiet dar, auf dem es möglich sein könnte Einsichten zu erzielen, die auf historischen und geistlichen Konventionen beruhen, die in der Vergangenheit bereits anerkannt wurden. 
 Ich besitze Seiten aus einem Reiseführer für den Tempelberg, der vom obersten islamischen Rat 1929 herausgegeben wurde, auf ihnen wird der historische Hintergrund des Tempelbergs beschrieben und dort heißt es: "Seine Identität mit dem Tempel Salomos ist unumstritten." Dies ist auch der Punkt, über den nach universalistischem Glauben gesagt ist: Und David baute dort einen Altar für den HERRN, und er brachte dort Brandopfer und Ganzopfer dar. (1. Chr, 21, 26) Diese Worte wurden zu einer Zeit geschrieben, die keineswegs einfach war, aber sie zeigen ein unhinterfragtes langjähriges Verständnis was die historischen Wurzeln betrifft, das im Laufe der Zeit von politischen Entwicklungen und auch Gewalt verdunkelt wurde. 
 Es gibt keinen Grund, warum man nicht zu diesen Einsichten zurückkehren sollte. Diese Anstrengung entspricht von unserem Standpunkt her auch den Werten des Staates Israel als einem jüdischen und demokratischen Staat. Zu diesem Zweck muss eine tiefgehende konzeptionelle Leistung erbracht werden, unter Beteiligung von Menschen der Tat, Intellektuellen , Akademikern und Experten in Sachen Religion und Gesetzen, aus Israel und von anderswoher. Ich weiß, dass auch wichtige Personen der jüdischen Welt begonnen haben, dies in Erwägung zu ziehen. Es gibt Raum für Hoffnung, weil auch nicht wenige in der islamischen Welt interessiert sein werden. Es ist an uns, Wege zu ihnen zu finden. Gerade in dunklen Zeiten der Beziehungen der westlichen Welt mit dem Islam - auch wenn der wirkliche Zorn gegen seine Extreme gerichtet ist - darf Israel über die Möglichkeit eines Dialogs nachdenken. Und zuletzt - das ist natürlich auch, was die Beziehungen mit den islamischen Staatsbürgern Israels betrifft, empfohlen, die in diesen Tagen Id al Fittr feiern und die wir mit dem traditionellen Wunsch grüßen: "Mögen Eure Jahre voller Glück sein." 

 Übersetzt aus dem Hebräischen von Carolin Kalbhenn
 
 
 

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   Jenseits der Souveränität im "Heiligen Bezirk"
 Yair Sheleg
 

Aus Ha'aretz (engl. Edition), 05.02.2001

Ein neuer Begriff ist jüngst zu den vielfältigen Schlagwörtern hinzugekommen, die den  Israelisch-Palästinensischen Konflikt begleiten: "Der Heilige Bezirk". Er bezieht sich auf das Gebiet in Jerusalem, in dem die heiligsten Orte der drei  monotheistischen Religionen auf engstem Raum beisammen liegen: Der Tempelberg und  die Westmauer, die Altstadt mit ihren heiligen Stätten, die Davidstadt mit dem Ophel  südlich der Altstadt, das Kidrontal und der Ölberg. 
 Die Berichte, die von den Verhandlungen im Ägyptisch-Israelischen Grenzort Taba (die  kurz vor der Neuwahl des Israelischen Ministerpräsidenten Ende Januar/Anfang  Februar 2001 stattgefunden haben und nach der Wahl Ariel Sharons abgebrochen  wurden, D.S.) durchgesickert sind, erwecken den Eindruck, als habe Israel eine  gemeinsame Israelisch-Palästinensische Verwaltung aller dieser Stätten vorgeschlagen -  um endlich die leidige Souveränitätsfrage zu überwinden; ein Gerücht, dass die  öffentliche Meinung in Israel in Aufruhr versetzte und von offizieller Israelischer Seite  dementiert wurde. Ministerpräsident Ehud Barak erklärte, dass "in jeder Vereinbarung  die Westmauer, das Jüdische Viertel, der Ölberg und was der Heilige Bezirk genannt  wird, unter Israelischer Souveränität bleiben wird". 
 Die Logik des zusammenfassenden Konzepts vom Heiligen Bezirk basiert auf zwei  Prinzipien: Zum einen verhindert die Konzentration auf viele einzelne Stätten, die von  den drei Religionen verehrt werden, dass sowohl Israelis wie Palästinänser der jeweils  anderen Seite die volle Souveränität über diese Stätten gewähren könnten. Zum  anderen führt das Faktum, dass ein solch kleines Gebiet (das nur zwei Quadratkilometer  umfasst) eine Sreitfrage ist, von selbst zu der Möglichkeit, für dieses eine spezielle  Verwaltung einzuführen, in der keine der beiden Seiten die volle Souveränität hätte. Der Ursprung des Terminus Heiliger Bezirk ist nicht völlig eindeutig. Rechtsanwalt  Samuel Berkovitz, der im letzten Jahr eine umfassende Studie (auf Hebräisch)  veröffentlicht hat, die sich mit dem Streit um die Heiligen Stätten in Israel allgemein  und speziell in Jerusalem befasst, behauptet, dass er diesen Begriff überhaupt zum ersten  Mal innerhalb der letzten Monate gehört hat.  "Es gibt keinen entsprechenden Hinweis in der ganzen Fachliteratur", sagt er und fügt  hinzu, dass er denke, dass dieser Begriff bei den Verhandlungen in Camp David im  Sommer 2000 oder kurz danach heraufbeschworen wurde. Nicht mal der Grund für den  Gebrauch den Wortes "Bezirk" ist in diesem Zusammenhang geklärt. 
 Prof. Ruth Lapidoth, eine Expertin für internationales Recht und darüberhinaus  Vorsitzende eines Komitees, das vom "Jerusalem Institute for Israel Studies" (JIIS) ins  Leben gerufen wurde, um die Fragen des "Heiligen Bezirks" zu beraten, sagt, dass   Forchungsarbeiten zu diesem ganzen Komplex den Begriff hervorgebracht hätten. Sie  führt aus, dass ihr Komitee mit der Untersuchung "des speziellen Status der Altstadt"  begonnen habe, "aber mit der Zeit erkannten wir, dass genau dieselben Fragestellungen  auch zu den benachbarten Gebieten auftauchten, so bei der Davidstadt und dem Ölberg;  und dies war der Ursprung des Begriffes 'Heiliges Gebiet' oder 'Heiliger Bezirk'". Lapidoth weist auch darauf dahin, dass das Wort "Bezirk" sich in diesem Zusammenhang  von dem juristischen Terminus technicus herleite, der die Teilung von Autoritäten in  anderen Teilen der Welt beschreibe, so im "Mediterranen Bezirk" oder im "Nil-Bezirk".  & Eine Flut von Vorschlägen&{  Eine Untersuchung der Idee eines speziellen und separaten Status für die Heiligen  Stätten in Jerusalem zeigt sehr schnell, dass diese Idee so alt ist wie der Zionismus selbst.  (Die folgenden Ausführungen basieren auf dem Buch von Dr. Berkovits und einer Studie,  die vom JIIS herausgegeben wurde: "Wither Jerusalem? Proposals and Positions  Concerning the Future of Jerusalem" von Moshe Hirsch, Deborah Housen-Couriel und  Ruth Lapidoth, die vom Institut auf englisch erhältlich ist.) Die erste prominente Figur, die die Idee aufgeworfen hat, war Theodor Herzl persönlich,  in seinem Buch "Altneuland". Er forderte, dass eine internationale Regierung für die  Altstadt etabliert wird, während das Jüdische Jerusalem ausserhalb der Altstadtmauern  gebaut werden soll.  
 1950 beantragte die Israelische Regierung in Reaktion auf den Bericht der UNTrusteeship-Kommission für Lösungen bezüglich der Heiligen Stätten in Jerusalem  (die UNO sprach sich dafür aus, dass ganz Jerusalem "in den Grenzen, die im  Teilunsgsplan [von 1947] festgelegt wurden, ein separates Gebiet [corpus separatum]"  unter UN-Verwaltung sein sollte), dass die spezielle internationale Verwaltung sich  exklusiv auf die Heiligen Stätten beschränken solle; die meisten von ihnen standen  damals unter Jordanischer Kontrolle.  
 Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 empfahl Prof. Benjamin Akzin, der rechtsgerichteten  Revisionistischen Kreisen angehörte, die Bildung einer internationalen Regierung, um  ausschließlich die Heiligen Stätten zu verwalten, nicht das gesamte Gebiet der Altstadt  und des "Heiligen Bezirks". Eine ähnliche Idee wurde von Samuel Berkovits selbst in  seiner Dissertation (1978) über die Heiligen Stätten vorgetragen. Richard Nixon (1967,  damals Senator) und US-Senator J. William Fulbright (1974) propagierten verwandte  Vorschläge, nach denen die Heiligen Stätten Jerusalems unter eine Vatikan-ähnliche  Regierung gestellt werden sollten, unabhängig von der politischen Souveränität in der  Stadt. 
 Eine Variation dieses Themas wurde 1980 von Ya'akov Hazan eingebracht, eine  führende Gestalt der linksgerichteten Mapam-Partei. Nach seinen Vorstellungen sollte die  ganze Altstadt als "Stadt des Friedens" mit "den Angelegenheiten, die den religiösen und  kulturellen Charakter der Altstadt betreffen" von einem "Religiösen Rat" ("Religious  Council") aller drei Glaubensrichtungen verwaltet werden. Dem Tempelberg würde ein  "extraterritorialer Status" garantiert werden, der "von den Islamischen Repräsentanten im  Religiösen Rat verwaltet" werden solle. Allerdings müsse "der Teil des Tempelberges,  in dem es Juden erlaubt ist zu beten, von diesem Gebiet getrennt werden". Zivile  Angelegenheiten, die die Altstadt betreffen, sollten von einem Israelisch-Arabischen  Ausschuss behandelt werden. Nach Hazans Vorschlag sollte die Souveränität über ganz  Jerusalem bei Israel bleiben: Israel sollte ebenso "verantwortlich dafür [sein], dass in der  Altstadt Gesetz und Ordnung ("law and order") eingehalten werden, einschliesslich der   extraterritorialen religiösen Stätten". 
 Eine andere Version von dieser Idee wurde 1982 von Haim Cohn vorgelegt, dem  früheren Richter am Obersten Gerichtshof. Er sprach sich für die Bildung eines "Rates  der Heiligen Stätten" ("Council of Holy Places") aus, der "zusammengesetzt [sein soll]  aus allen religiösen Gemeinschaften". Seine Empfehlung sprach nur von einer separaten  Administriation  für die Heiligen Stätten selbst, nicht für das gesamte Gebiet. 
 Führende arabische Persönlichkeiten brachten ebenfalls Vorschläge zum Thema ein.  Walid Khalidi, ein Palästinensischer Historiker und ehemaliges Mitglied des  Palästinensischen Nationalrates, forderte 1978 und 1988 - beidemale in Artikeln der  Zeitschrift "Foreign Affairs"- , dass parallel zur Teilung Jerusalems zwischen Israel und  Palästina ein "interreligiöser Rat" ('"interfaith council") zur Verwaltung der Heiligen  Stätten gebildet werden solle. Den Jüdischen Heiligen Stätten in Ost-Jerusalem würde  ein extraterritorialer Status zugesichert werden, inklusive der Garantie des freien Zugangs  zu ihnen. 
 1992 schlug der damailge Jordanische UN-Botschafter Adan Abu Odeh vor (ebenfalls in  einem Artikel in "Foreign Affairs"), dass "die ummauerte Stadt, das wahre und heilige  Jerusalem keiner einzelnen Nation oder Religion gehören" solle: sie solle von einem Rat  regiert werden, in dem Repräsentanten aller dreier Glaubensrichtungen verteten sind. 
 Berkovits und die Mitglieder des JIIS klassifizieren die Flut von Empfehlungen - 63  "Vorschläge und Positionen" sind im JIIS-Buch zu finden - in fünf Kategorien, ihrem  juristischen Charakter gemäss: 
 - Territoriale Internationalisierung, in der die Souveränität aller Gebiete der Heiligen  Stätten einer internationalen Körperschaft übertragen wird. 
 - Funktionale Internationalisierung, unter der lediglich die säkular-administrative Macht  an den Heiligen Stätten an die internationale Körperschaft abgegeben wird. 
 - Eine gleichsam diplomatische Repräsentanz an den Heiligen Stätten, an denen  diplomatische Immunität für jeden dieser Orte und seines (z.B. klerikalen) Personals  vom Gastgeber-Staat gewährt wird, ohne die Frage der Souveränität zu berühren. (In  größerem Maßstab ist dies das derzeiteige Arrangement; dies entspricht auch dem, was  Israel offiziell nach dem Sechs-Tage-Krieg vorgeschlagen hatte). 
 - Ein Vatikan-ähnlicher "Staat der Heiligen Stätten". 
 - Schließlich Vorschläge, die dem von Ya'akov Hazan sehr verwandt sind, die von einer  Verwaltung der Altstadt und/oder der Heiligen Stätten durch einen Interrreligiösen Rat  sprechen, ohne Rücksicht auf die Souveränitätsfrage.  & Umgehen der Souveränitätsfrage&{  In seinem Buch analisiert Berkovits die Unzulänglichkeiten jeder dieser fünf  Kategorien, zumindest aus israelischer Sicht. So argumentiert er, dass territoriale  Internationalisierung die Abtrennung der Heiligen Stätten vom Rest der Stadt bedeuten  würde; dies würde ein Problem in gleicher Weise für Israelis wie Palästinenser  bedeuten und würde auch den Zugang zu den Heiligen Stätten erschweren. So macht  Berkovits  deutlich, dass viele religiöse Zeremonien Prozessionen beinhalten, die von den  Heiligen Stätten wegführen; dies  könnte problematisch werden, wenn die Heiligen  Stätten von einer internationalen Grenzlinie eingeschlossen würden. 
 Funktionale Internationalisierung würde zwar bezüglich dieser Problematik eine  leichte Verbesserung mit sich bringen, würde aber genauso Fragen aufwerfen hinsichtlich  des Abtretens von Souveränitätsrechten durch den Staat, der die Kontrolle über die  jeweiligen Heiligen Stätten ausübt. Gleiches gilt auch im Hinblick auf den  internationalen Körper, der fair und von allen Seiten akzeptiert diese komplexen Stätten  verwalten müsste. 
 Berkovitz kritisiert ebenfalls in dieser Hinsicht die Idee einer diplomatischen  Immunität, denn diese würde die Souveränität Israels untergraben und ausserdem die  Frage verschärfen, wer denn nun die autorisierten diplomatischen Repräsentanten der  verschiedenen Christlichen Gemeinschaften sind. 
 Ein Vatikan-ähnlicher Staat in Jerusalem wird ebenfalls abgelehnt, da in Jerusalem -  anders als in der Beziehung zwischen Rom und dem Vatikan - die Heiligen Stätten selbst  der Streitpunkt zwischen zwei Nationen und drei Glaubensgemeinschaften seien. 
 Der letzte Vorschlag eines Interreligiösen Rates, der die Heiligen Stätten verwaltet, sei  ebenfalls zu kritisieren, da auch er die leidige Souveränitätsfrage nicht völlig  überwindet. 
 Trotzdem scheint dieser letztgenannte Vorschlag die sich abzeichnende Hauptrichtung   innerhalb der neuesten Entwürfe zu sein, die sich mit dem speziellen Status der Gebiete  der Heiligen Stätten befassen. So spricht beispielsweise Prof. Lapidoth von einer  "speziellen Regierung" ("spezial regime"), wobei sie allerdings sehr vorsichtig jedem  Bezug zur Souveränitätsfrage in diesem Kontext aus dem Weg geht; da diese jede  Diskussion torpediere und da das ganze Konzept von Söveränität, so argumentiert sie,  in der Moderne eine flexiblere Handhabung erfordere. So zieht sie es vor, lediglich von "Verwaltung" ("administration") bezüglich der  fraglichen Orte zu sprechen und von einer diskreten Machtteilung: "Wir sprechen von  einem partnerschaftlichen Regime ('regime of partnership') und einer Teilung der Macht  ('division of powers') zwischen den Seiten, bezüglich von Ort, Personen und Funktion.  Mit anderen Worten, wenn jemand in der Altstadt eine Vertrag abschliesst, so wird die  Frage nach seiner Gültigkeit von der Identität der beteiligten Personen, der Funktion des  Vertrages usw. abhängen". 
 Lapidoth betont, dass, "wenn eine spezielle Regierung gebildet würde, die die  Souveränitätsfrage nicht berührt, dann alle Details der Machtteilung in einer  grundsätzlichen Vereinbarung präzise definiert sein müssten." Aus ihrer Sicht muss die Teilung der Macht zwischen den beiden betroffenen Staaten, also  Israel und einem künftigen Staat Palästina "und vielleicht einer internationalen  Körperschaft, wenn zwischen den beiden Staaten Streit entsteht" stattfinden. Allerdings  wäre es sehr töricht, wenn man diese Teilung der Macht zwischen den drei  Glaubensrichtungen vornehmen würde: "Repräsentanten von Religionen sind deutlich  extremer als Politiker", meint Lapidoth. "Es ist sehr wichtig, sie in den Prozess  einzubeziehen, aber auf keinen Fall darf man ihnen exklusive Verantwortlichkeiten  übertragen." Selbst wenn es Politiker geben sollte, "die glücklich sind, wenn sie diesen  Verantwortlichkeiten ausweichen und an Kleriker abgeben können, so dürfen wir dies  nicht akzeptieren." Bezüglich der Sicherheitsfrage, der kritischen Frage für das  Schicksal des "speziellen Gebietes", gäbe es verschiedene Optionen: Solche der  Kooperation zwischen den Polizeien der beiden Staaten, der Bildung einer gemeinsamen  Polizeieinheit, "und vielleicht sogar die Begleitung durch eine internationale  Polizeitruppe." 
 Prof. Yehoshua Ben Aryeh, ein Experte der Geschichte Jerusalems, hat jüngst eine  Variation des Konzepts vom Heiligen Bezirk formuliert. Auch er schreckt vor der  Souveränitätsfrage zurück, wobei er betont, dass viele der betroffenen Orte schon  autonom verwaltet würden, einschlieslich der Heiligen Stätten und des gesamten  Armenischen Viertels in der Altstadt. "Es ist unmöglich, von einer Teilung der  Souveränität bei einem so kleinen Gebiet wie der Altstadt zu sprechen und es zeugt von  wenig Sensibilität, wenn man die Christlichen Kirchen der Palästinensischen  Souveränität übergeben würde; denn die Ursprungsidee der Kreuzfahrer war es doch,  die Grabeskirche von Islamischer Kontrolle zu befreien." 
 Ben Aryeh fügt zwei entscheidende Gesichtspunkte hinzu, der eine bezieht sich auf den  Komplex der Sicherheit: "Eine spezielle Polizeitruppe wird gebildet werden, mit  speziellen Uniformen. Sie wird lediglich Schlagstöcke mit sich führen, da keine  Feuerwaffen im Heiligen Bezirk erlaubt sein werden". Zum zweiten würde Ben Aryeh das  "spezielle Gebiet" auf die Moslemischen Stadtviertel in der Nähe der Altstadt ausweiten;  dieses Gebiet, was er vor Augen hat, wurde dann nicht mehr "Heiliger Bezirk" sondern  "Herz von Jerusalem" genannt werden. 
 "Es würde vieles sehr verkomplizieren, wenn diese Stadtviertel, die so nah an der  Altstadt liegen, Teil der Palästinensischen Hauptstadt würden; und es ist ebenfalls  schwer zu akzeptieren, wenn ein Stadtviertel wie Sheikh Jarrah, das zwischen Jüdischen  Wohngebieten liegt, unter Palästinensischer Souveränität liegen würde und somit  Palästinensische Militärpräsenz enthalten würde", sagt Ben Aryeh. Der  Palästinensische Status in Jerusalem "soll seinen Ausdruck in allen anderen Stadtteilen  bekommen, die weiter von der Altstadt entfernt liegen - die Dörfer Al-Azarriyah, Abu  Dis, Jabel Mukaber, Sur Baher usw." 
 Wie auch immer, Berkovits lehnt auf der Basis seiner monumentalen Studie, die den  Kampf um die Heiligen Stätten in Jerusalem vom vierten Jahrhundert bis zur Gegenwart  darstellt, alle diese Ideen ab und behauptet, dass sie in einigen Punkten in die falsche  Richtung gingen und in anderen Aspekten der Wahrheit ausweichen würden. Die wahre  Lösung, so glaubt er, läge in der Unterscheidung zwischen drei verschiedenen  Komponenten, die im Heiligen Bezirk zu finden seien: Zunächst die Altstadt, von der er  sagt, dass sie höchstwahrscheinlich "unter eine internationale Regierung ('international  regime')" gestellt werden müsse. Er fügt hinzu: "Dies ist tatsächlich die Wahrheit, die  sich hinter allen Ideen über einen "speziellen Status" versteckt; es traut sich nur niemand,  sie laut auszusprechen." 
 Dann gibt es den Tempelberg, der nicht einer internationalen Regierung übergeben  werden könne, "weil die zwei betroffenen Nationen und Religionen nicht eine andere  Souveränität dort zugestehen werden; So liegt die Lösung in der Teilung der  Souveränität" - nicht zwischen dem oberirdischem und unterirdischem Teil, wie es der  "lächerliche" Vorschlag von Präsident Clinton vorsah - "sondern zwischen dem Gebiet  der Moscheen, das den Grossteil des Platzes auf dem Berg ausmacht und unter voller  Palästinensischer Souveränität stehen wird, und dem nördlichen Teil des Berges, zu  dem, nach den Studien von Rabbi Goren [Shlomo Goren, der frühere  Oberrabbiner von  Israel], Juden aufsteigen dürfen und der unter voller Israelischer Souveränität sein  wird." Dort wird ebenfalls eine internationale Truppe anwesend sein mussen, um als  Puffer zwischen den beiden Teilen des Berges zu dienen und sicherzustellen, dass auf  keiner Seite Ausgrabungen durchgeführt werden. 
 Für die anderen Heiligen Stätten, wie die Davidstadt oder den Ölberg, soll nach  Berkovitz gelten: "Sie sollen unter voller israelischer Souveränität bleiben, denn in allen  Fällen liegt dort für die Palästinenser nichts von Interesse vor." 

Übersetzung aus dem Englischen: David Schnell
 
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