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dem Inhalt von Heft 1 des 7. Jahrgangs (2001) |
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Zum Gedenken von David Flusser
| Der israelische Neutestamentler David Flusser ist in der Nacht zum
Freitag, den 15.9. verstorben. Er starb an seinem 83. Geburtstag.
Flusser galt in der Welt der Wissenschaft weit über die Grenzen Israels
hinaus als einer der vorzüglichsten Kenner des Neuen Testaments, sowie
der rabbinischen Literatur und der Rollen vom Toten Meer. |
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David Flusser wurde in Wien 1917 geboren, wuchs in Prag auf und
kam 1939 nach Palästina. 1962 wurde er Professor an der Hebräischen
Universität Jerusalem für vergleichende Religionsgeschichte.
Er war Träger des Israelpreises, Mitglied der israelischen Akademie
der Wissenschaften und Verfasser zahlreicher Publikationen. Sein Hauptinteresse
galt der Erforschung des Neuen Testaments auf seinem rabbinischen Hintergrund
unter Heranziehung der Qumranschriften. Flusser schrieb in Deutsch, Englisch,
Tschechisch und Hebräisch.
Flusser war eine sagenumwogene Gestalt. Er sprach zahlreiche
antike Sprachen. Mochte er jemanden, so neckte er ihn in Griechisch, zürnte
er, dann in Latein. Er liebte es, den Klerus mit Latein zu ärgern,
um ihm zu zeigen, dass er seine eigene Sprache nicht beherrscht. Sie schlugen
zurück. Marcel Dubois, Dominikaner und der erste katholische Philosophieprofessor
an der Hebräischen Universität, erzählte auf der Gedächtnisfeier
zu seinem dreißigsten Todestag, dass Flusser eines Nachts einen Anruf
bekam, in Französisch. "Ich bin Jesus Christ, ich möchte mit
Professor Flusser sprechen", tönte es aus dem Telefonhörer. Flusser
legte geschockt auf und konnte sich mehrere Stunden nicht beruhigen, bis
er sich sagte, Er könne es nicht gewesen sein, Er hätte sicher
mit ihm in Hebräisch gesprochen.
Über Flusser wäre viel mehr zu sagen: Dass er ein Generalgenie
war, dass er über alles etwas wusste, was es auch war. Dass er immer
das richtige Gespür hatte für alles, was entdeckt wurde und noch
nicht vollständig veröffentlicht war. Er fand die Antwort auch
aus den Bruchteilen.
Vor allem aber nahm er das Christentum ernst. Flusser war auf
viele Christen zornig. Der wahre Grund war, dass sie Christi Jünger
und Nachfolger sind und so wenig von ihm wissen. Ich habe viele Lehrer
im Neuen Testament gehabt, keiner kannte dieses Buch so gut wie er, und
keiner diesen Jesus so intim wie er, auch keiner von den Juden.
mk
Vgl. auch die Rede, die der Talmudist, Professor David Rosental,
zu Flussers 80. Geburtstag ihm zu Ehren hielt, und die in deutsch in RiI
2-1997, S.31-35 veröffentlicht ist. |
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Zum Gedenken von Jehuda Amichai
| Ende September ist auch der große israelische Nationaldichter,
der Troubadour der Stadt Jerusalem, von uns gegangen. Ein Nationaldichter,
der die Sprache des Volkes, das moderne Hebräisch des Staates Israel,
die "Vulgärsprache", zur Sprache der Dichtung emporhob. |
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| "Jerusalem, ein Hafen am Ufer der Ewigkeit"
Jehuda Amichai, unvergessener Dichter der Stadt Jerusalem und Freund
der Menschen
Jehuda Amichai wurde 1924 in Würzburg geboren und wäre
vielleicht ein deutscher Dichter geworden, hätten nicht die Nazis
seine Familie aus diesem Land vertrieben. 1936 kam er als Kind nach Palästina.
Jehuda Amichai war der Israel Interfaith Association, deren Mitglied er
war, tief verbunden. Seine Liebe zum Anderen kommt auch immer wieder in
seinen Gedichten zum Ausdruck. Er sprach mehrfach vor den Studenten des
Programms "Studium in Israel" - in seiner Muttersprache. Einmal unternahm
er auch die weite Reise nach Deutschland, um an einem Ehemaligen-Treffen
des Studienprogramms teilzunehmen. Wir werden sein Andenken wahren.
mk
Arabischer Hirte sucht sein Böcklein auf dem Zionsberg
Ein arabischer Hirte sucht sein Böcklein auf dem Zionsberg,
Und auf dem Berg gegenüber suche ich meinen kleinen Sohn.
Ein arabischer Hirte und ein jüdischer Vater
in ihrem zeitlichen Missgeschick.
Unserer beider Stimmen treffen sich über
dem Tal des Sultansteichs in der Mitte.
Beide wollen wir, dass der Sohn und das Böcklein nicht
in das furchtbare Räderwerk von "had gadja" geraten.
Später fanden wir sie zwischen den Büschen,
und unsere Stimmen kehrten zu uns zurück,
weinten und lachten in uns.
Die Suche nach einem Böcklein oder einem Sohn
war immer
der Anfang einer neuen Religion in diesen Bergen.
Übersetzung aus dem Hebräischen von Michael Krupp
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| An der Al-Aqsa endet die grüne
Linie
Danny Rubinstein in Haaretz vom 2.10.2000 |
Für diesen Ausbruch von Feuer und Gewalt in den palästinensischen
Gebieten brauchte es mehr als nur die Ermutigung durch Arafat und seine
Leute. Führer der Palästinenser - Mitglieder des palästinensischen
Kabinetts, des Rates und auch die Köpfe des palästinensischen
Sicherheitsrates - unterstützten die Unruhen. Ihre wiederholten Warnungen
in der letzten Woche, dass der Besuch Ariel Sharons auf dem Tempelberg
in Gewalt enden würde, wurden begleitet von Drohungen und dem Gelöbnis,
die Entweihung der Al-Aqsa-Moschee zu verhindern.
Es ist möglich, dass der Besuch Sharons für Arafat
und seine Leute aus der Führungsschicht als Vorwand für die Unruhen
diente. Vielleicht hatten sie aber auch keine andere Wahl, da sie angesichts
dieser Provokation nicht in der Ruhe des Schabbats verweilen konnten.
In jedem Fall ist das Thema der Jerusalemer Heiligen Stätten
des Islams das Reizthema, um einen Aufstand in der breiten Öffentlichkeit
herbeizuführen. Mit anderen Worten: Kein anderes Thema kann in diesem
Maße die Palästinenser zu Ausschreitungen aufrufen, wie die
Frage um den Tempelberg. Wenn die Moscheen in Jerusalem in Gefahr sind
gibt es keine grüne Linie mehr: Keine Grenze mehr zwischen israelischen
Arabern und ihren Brüdern in der West-Bank und Gaza. Beide sorgen
sich gleichermaßen um die Al-Aqsa.
Die dreijährige Intifada in den palästinensischen Gebieten
von 1988-1990 hatte rein politischen Charakter und bezog daher die israelischen
Araber nicht mit ein. In Um al Fahm und Nazareth gab es einige Solidaritätsbekundungen
mit den Arabern in Nablus und Gaza, aber von einer Partnerschaft im Aufstand
kann hier nicht gesprochen werden.
Ein völlig anderes Bild ergibt sich bei dem Kampf um die
Al-Aqsa. In der religiösen Auseinandersetzung ist die Zusammenarbeit
der Araber von beiden Seiten der grünen Linie zu beobachten, die selbst
auf die arabischen Nachbarstaaten überzuspringen droht. Die palästinensische
Öffentlichkeit und ihre Führerschaft akzeptiert die israelische
Behauptung nicht, nach der den Moslems freie Gebetsausübung auf dem
Tempelberg gewährt wird. Schon seit mehr als zehn Jahren können
viele der Moslems aus der West Bank und Gaza nicht in der Al-Aqsa beten.
Über einer Million Bürgern aus dem Gazastreifen ist es verboten,
ihr Gebiet zu verlassen. Nur wenige Zehntausende erhalten eine Arbeitsgenehmigung
für Israel. Es gab noch keinen Fall, dass ein Moslem aus Gaza eine
Erlaubnis bekommen hätte sein Gebiet zu verlassen, um in Jerusalem
zu beten.
Vielen Moslems aus der West Bank ist es trotzdem möglich
nach Jerusalem und zur Al-Aqsa zu kommen, aber sie übertreten das
israelische Gesetz sobald sie sich in der Stadt oder in anderen Moscheen
aufhalten. Zudem gehört ein beträchtlicher Teil von den Betern,
die innerhalb der letzten zehn Jahre am Wochenende zur Al-Aqsa kommen,
zu den israelischen Arabern, die freien Zugang nach Jerusalem haben.
Signifikant ist die Dementierung der Palästinenser (und
vielleicht der Moslems überhaupt), dass die Juden eine Beziehung zum
Tempelberg haben. Dies zeigte sich in den letzten Stufen der Verhandlungen,
als das Thema des Tempelberges ins Zentrum der Diskussionen rückte.
Ein Blick auf Erklärungen der palästinensischen Führung
in den letzten Wochen und Artikel palästinensischer Zeitungen offenbart,
dass bei ihnen keine Bereitschaft besteht, jüdische Ansprüche
zu verstehen, z.B. dass vor 2000 Jahren der Tempel dort stand. Nicht einmal
ein Kompromiss, der diese Verbindung nur anerkennen würde, ist für
sie akzeptabel.
Ein Mitglied des palästinensischen Kabinetts sagte kürzlich
in einer privaten Unterredung, dass er überrascht sei, von den Politikern
aus Amerika und Europa zu hören, es gebe eine kontinuierliche historische
Beziehung zwischen den Juden und dem Tempel. Seinen Aussagen zufolge habe
er bei einem Treffen in Washington verstanden, dass die Freimaurer dahinter
stehen, die seit dem Mittelalter betonen, der Tempelberg sei der Ort des
antiken Tempels von Salomo. Diese Tradition sei in Amerika tief verwurzelt,
besonders da George Washington und fast alle Unterzeichner der amerikanischen
Unabhängigkeitserklärung den Freimaurern angehörten.
Arafat und alle anderen Mitglieder der palästinensischen
Führungsschicht sind davon überzeugt, dass sie der Entweihung
der Heiligen Stätten und dem Verzicht auf die Moscheen Tür und
Tor öffnen, sobald sie das kleinste Anzeichen der Anerkennung jüdischer
Ansprüche bezüglich des Tempelberges zeigen.
Aus palästinensischer Sicht stellen die blutigen Auseinandersetzungen
und der Tod von mehr als zwanzig Kindern und Jugendlichen (bis zum 2. Oktober)
den besten Beweis dafür dar, dass es bei der Al-Aqsa Moschee keinen
Kompromiss geben wird.
Übersetzt aus dem Hebräischen von Judith Haar
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Zeev W. Falk, langjähriger Präsident
der IIA
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Vor einigen Wochen ist ein Gedächtnisband über Leben und
Werk des langjährigen Präsidenten der Israel Interfaith Association
in Englisch erschienen. Er dokumentiert das Leben eines exceptionellen
orthodoxen Juden auf seinen Lebensstationen von seiner Geburtstadt Breslau,
über die erste Pionierzeit in Israel, die Jeshiva, das Jurastudium
bis zum angesehenen Professor für Familienrecht an der Hebräischen
Universität Jerusalem. Das Gros des Buches sind autobiographische
Notizen aus seiner eigenen Feder, dazu Historisches zur Geschichte der
Familie Falk, die sich bis ins 16. Jahrhundert im Raum Breslau zurückverfolgen
lässt, Auszüge aus seinen ideologischen Schriften und Essays,
angereichert mit Erinnerungen anderer. |
Kurz vor seinem Tode, vor mehr als zwei Jahren, erschien
sein letztes Werk, in Hebräisch: divre tora "ad tomam" ,
eine Abhandlung über die Wochenabschnitte der Synagogenlesung der
Tora. Das Buch ist für den, der des Hebräischen mächtig
ist, eine wahre Fundgrube sprühender Einfälle und Neuerungen
in der eigenwilligen Auslegung zur Schrift dieses großen Gelehrten.
Beide Bücher können bei der IIA für den Selbstkostenpreis
(30,- bzw. 40,- DM) bezogen werden.
e-mail
(deutschsprachig): oskrupp@roth.hul.huji.ac.il
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